Chyangmityang

Ich wollte gerne die Projekte (oder eines der Projekte) besuchen, die von Mountain Spirit Deutschland e.V. in Lichtenstein betreut werden. Und ich konnte das Medizinprojekt in Chyangmitiang besuchen und in der Familie der jungen Studentin, die ein Praktikum macht bei Mountain Spirit, wohnen. Es war Ende September 2013, wir brauchten 3 Tage, um in der abgelegene Tal der Sherpas zu kommen: per Jeep über aufgeweichte Straßen und dann noch ½ Tag zu Fuß.

Der Anlass der Reise von Futi Sherpa war ein meeting der Gruppierung, die das Medizinprojekt in Chyangmityang vor Ort betreut. Es kamen etwa 3o Männer und Frauen zusammen, einen Tag lang wurde heftig diskutiert, es ging wohl um die Verteilung von Geldern, ich habe nichts verstanden, die Diskussion war äußerst heftig. Auch Frauen haben sich beteiligt, eher sachlich und unaufgeregt, Irgendwann verließen die Frauen den Raum und setzten sich nach draußen. Irgendwann brach der Holzboden zusammen, die umlaufenden Bänke standen etwas schief, aber es wurde weitergeredet (Am nächsten Abend war der Boden bereits repariert.) Die so heftige Diskussion endete friedlich, alle waren sich einig, es war ein Wunder!

Futi Sherpa hatte Medikamente und Verbandszeug mitgebracht und der Vorrat der kleinen Medizinstation wurde aufgefrischt. Die beiden jungen Frauen, Sarkini und Dali, zeigten ihre Aufzeichnungen, sie hatten genau Buch geführt über alle Aktionen und die Abgaben von Medikamenten. Schwerpunkte sind die Behandlung von Wunden und Unpässlichkeiten und die Aufklärung über Hygiene, besonders die Notwendigkeit, die Hände zu waschen.(Es ist durchaus möglich, sauber zu leben, auch wenn die Toilette eine Komposttoilette außerhalb des Hauses ist und es nur eine Wasserstelle vor dem Haus gibt.) Ich durfte Zeuge sein bei den kompetenten Behandlungen von Sarkini und Dali und ich überlegte, ob und wie ich einen Beitrag leisten könnte zur Unterstützung der beiden. Aber weder Massagen noch Übungen sind bekannt, die Übungen erweckten Heiterkeit und Massagen auf unbekleidetem Körper gingen gar nicht. Füße und Beine sind bei vielen Menschen geschwollen, deshalb habe ich mich entschieden, die Grundlagen einer den Lymphabfluss anregenden Behandlung zu zeigen, über der Kleidung. Die Theorie habe ich anhand einer Zeichnung   über die Fließrichtung der Lymphe gezeigt, 10 Punkte über den Ablauf der Behandlung aufgeschrieben und die Griffe gezeigt. Zum Glück hatte ich ein gutes englisches Wörterbuch. Wir behandelten uns gegenseitig – tatsächlich, nach jeder Behandlung gab es die gewünschte Reaktion! Es gab genügend Zeit zum Üben.

Ich bin sehr dankbar für die freundliche Aufnahme in der Familie Sherpa, ich konnte den bäuerlichen Alltag miterleben, das offene Feuer in der Küche über dem auf einer genialen Steinkonstruktion gekocht wurde. Wer auch immer ins Haus kam bekam Buttertee. Patenkinder aus dem Ort wurden beschenkt und bewirtet. Ich wurde auch von anderen Familien in ihre Häuser eingeladen. Und ich begleitete die modernen jungen Frauen mit ihren Smartphones und Laptop auf die Höhe über dem Dorf zu einem großen Stein vor dem Kloster, von dort aus gab es – aber auch nicht immer – Handyempfang und Internet-Verbindung!

Zurück nach Kathmandu ging es per Flieger von Lukla aus - nach einem dreitägigen Marsch bergauf und bergab zwischen 1500 und 3000 m, teils auf dem offiziellen Pfad zum Basislager Mount Everest, sicher begleitet von einem Freund des Hauses, der auch unser Gepäck trug, eine gute Vorbereitung auf meine anschließenden Unternehmungen. Danke und Namaste.

H.Goedecke