Nepal 2012

Ausbildung, Sprechstunde, Renovierungsarbeiten in Chyangmityang Solukhumbu


Am 26.3.2012 begann unsere diesjährige Reise nach Chyangmityang.

Die dritte Ausbildungseinheit für die Dorfbevölkerung in Basismedizin, Hygiene und Erste Hilfe stand auf dem Programm.

Zu dritt machten wir uns diesmal auf den Weg:
Dr. Friedrich Feurer, Allgemeinarzt mit jahrzehntelanger Erfahrung, Dr. Rainer und Anne Claußnitzer.

Nach langem Flug mit Zwischenstopp in Doha erreichten wir am 27.3. vormittags Kathmandu, wurden zuverlässig abgeholt und herzlich begrüßt. Auch im Hotel „Kathmandu View“ gab es ein fröhliches Wiedersehen.

Nach kurzer Erfrischung treffen wir nachmittags Phuti Sherpa und Ngima Sherpa, die uns begleiten und den Unterricht übersetzen werden.

Die folgenden zwei Tage sind mit verschiedenen Begegnungen ausgefüllt: Spendengelder von deutschen Organisationen für Schulprojekte überbringen wir und treffen erstmalig Vertreter der Himalaya Natural Fibre Foundation, die uns ihre Projekte vorstellen. Es geht um die mögliche Zusammenarbeit in einer Region, die medizinisch nicht versorgt ist. Wir vereinbaren ein weiteres Treffen bevor wir nach Deutschland zurückkehren.

Am 30.3. starten wir früh mit dem Jeep nach Shivalaya. Weit ist der Weg nicht, aber die Straße wird allmählich zur Piste und nach mehr als zehn Stunden Fahrt über Bakhtapur, Dhulikel und Jiri hat uns der Fahrer sicher ans Ziel gebracht.

Am nächsten Morgen beginnen wir die Tour zu unserem Dorf.
Über den Deuralipass (2705m) und Bandhar (2150m) erreichen wir nach acht Stunden Kenja (1570m).
Der Numbur (mit knapp 7000 m) grüßt in der Nachmittagssonne. Am nächsten Morgen
nehmen wir frühzeitig die nächste Etappe in Angriff, über den Lamjurapass (3500m) nach Jumbesi (2500m). Wunderbare Ausblicke haben wir unterwegs und viele Veränderungen sind zu bestaunen.
Am späten Nachmittag erreichen wir unsere Lodge und freuen uns auf die Ruhepause.

Der folgende Tag verspricht eine geruhsamere Wanderung. Nach Phaplu laufen wir entlang de Jumbesi Khola in warmer Morgensonne und sind schon mittags am Ziel.
Der Besuch nachmittags im Distrikthospital wird zur Enttäuschung. Niemand ist wirklich interessiert mit uns zu sprechen, unsere Sachspenden – vor allem für ärmere Patienten gedacht – packen wir wieder ein. Abends erfahren wir, dass dieses Krankenhaus auch von der Bevölkerung nicht angenommen und in Anspruch genommen wird.
Schade, im letzten Jahr war der Empfang offener und wir hatten gehofft, neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der Village clinic zu finden.

Die Gespräche abends in der Lodge mit zwei jungen Männern sind interessant: der eine ist auf dem Weg zum Everest basecamp, wo er das Zelt-Hospital als Arzt betreut, der andere hat sich dem Projekt „Krankenversicherung für Alle“ in Nepal verschrieben – eine schier unvorstellbare Aufgabe…


Am 3.4.wollen wir „unser“ Dorf erreichen. Früh brechen wir auf und sind nach gut zwei Stunden am Pass. Die Straße – letztes Jahr in den Hang gefräst – ist eher eine vom Monsunregen ausgespülte Piste. Sie hat die Landschaft sehr verändert. Oben am Pass beginnt es zu regnen, zu gewittern, zu hageln. Im Wolkenbruch erreichen wir Chyangmityang und das Kloster.
Hier haben wir diesmal Quartier und sind froh, nicht das Zelt aufbauen zu müssen. Sehr herzlich und mit heißem Tee werden wir empfangen und richten uns in den Gästezimmern ein.

Am nächsten Morgen treffen wir das Dorfkomitee, Dali und Sarkini (die seit einem halben Jahr in der Ausbildung zur „Gemeindeschwester“ sind), ihre Eltern, den Healthworker Dinesh Rai und Vertreter des Klosters.
Feierlich werden die Ausbildungsverträge vorgelesen und unterzeichnet.

Ngima übersetzt; dann übergeben wir die erste Rate des Geldes für die Ausbildung direkt an die beiden hochmotivierten jungen Frauen. Weiter wird der Vertrag besprochen und unterzeichnet, der die Bezahlung des Healthworkers durch MSD, das Kloster und die amerikanische Maya Sherpa Organisation regelt. Auch hier übergeben wir unseren Anteil des Geldes.

Die Frage, wie langfristig die notwendigen Medikamente finanziert werden können bleibt noch offen. Derzeit hat das Kloster die Möglichkeit, über eine kontinuierliche Unterstützung aus dem Ausland diesen Posten zu übernehmen.

 

Nachmittags sind wir dann in der Village clinic, begutachten mit dem Komitee den
Renovierungsbedarf und besprechen den Arbeitseinsatz der nächsten Tage. Dr. Friedrich und Dr. Rainer – wie sie hier nur genannt werden – übergeben dem Dinesh Rai die verschiedenen Gaben für die praktische Arbeit vor Ort: Medikamente in vielfältiger Form, Verbandsmaterial, Salben und Bandagen…

Dann kommen auch schon die ersten Patienten und die Beiden haben gut zu tun, zumal sie auch in den folgenden Tagen den Healthworker kontinuierlich schulen.

Zwei Tage „womans health“ –Kurs folgen. Morgens sieben Uhr beginne ich den Unterricht im vollbesetzten Raum. Frauen und Mädchen hören aufmerksam und neugierig, manchmal erstaunt zu und fragen nach anfänglicher Zurückhaltung alles nach, worüber sie schon immer mal sprechen wollten.
Von anatomischen Grundlagen über normale physiologische Vorgänge,
Infektionskrankheiten, Familienplanung, besondere Risikofaktoren, Möglichkeiten zur Selbsthilfe bis hin zu Lebenskonzepten und Perspektiven für die junge Generation ist der Bogen gespannt.

Phuti Sherpa übersetzt am ersten Tag, am zweiten wird sie von Mgima Sherpa - Phuri Lamas Ehefrau – unterstützt.

In der Zeit des Frauenworkshops sind Dr. Friedrich und Dr. Rainer in der Schule. Dank einer großen Einzelspende eines MSD Mitgliedes konnten in den vergangenen Wochen Renovierungsarbeiten durchgeführt werden.
Das Dach ist wieder dicht, die Wasserleitung in den Toiletten und auf dem Schulhof führt wieder Wasser und im Lehrerzimmer ist der Fussboden betoniert. Auf dem blauen
Wellblechdach steht in großen weißen Buchstaben:“Eckardt Ruoff School MSD " Wir sind platt!

Leider sind zwei der drei Klassenraume wegen durchgebrochener Holzfußböden nur bedingt nutzbar. Hier ist dringlich Handlungsbedarf. Friedrich und Rainer übergeben für die Schüler ein Volleyballnetz, Ball und Pumpe als Spende von MSD und können auch das erste Spiel Chyangmityang gegen MSD mit 10:10 nach hartem Einsatz mit viel Spaß beenden.

An den folgenden zwei Tagen unterrichten Dr. Friedrich und Dr. Rainer. Wiederholungen und Vertiefung der letzten beiden Kurse stehen auf dem Programm: Hygiene, Erste Hilfe,
Infektionskrankheiten, Selbsthilfe ohne Arzt und Medikamente, praktisches Training der Verbände.
Ngima übersetzt bildhaft und engagiert; er hat noch extra Poster gezeichnet.
Nach dem Unterricht ist jeweils Sprechstunde, danach kommen die Renovierungsarbeiten zügig voran: Fenster, Türen und Möbel streichen, Fensterscheiben einsetzen, ringsum die Dachrinne montieren, den Eingangsbereich betonieren. Alle Materialien mussten mit Trägern ins Dorf gebracht werden. Phutis Vater Pasang Sherpa ist der Organisator, Motor und Allround-Handwerker dieser Aktion.

Einen ganzen Tag lang unterrichten wir die Mönche im Kloster. Besonders die kleinen (ab
sechsjährigen) Buben haben viel Freude an den praktischen Übungen. Erstaunt sind wir, wie schnell und konzentriert sie lernen und umsetzen können. Ohnehin ist der Alltag in dieser Gemeinschaft sehr beeindruckend und bereichernd.




Zum Abschied sind wieder viele gekommen. Die Teilnahmezertifikate überreichen wir nachdem unsere Fragen zum Kursverlauf mehr als ausführlich beantwortet wurden. Viele Fotos , Glücksschals als Dank, nochmals lange Sprechstunde…

Auch beim Abschied im Kloster wird uns etwas wehmütig. Mit Glück- und Segenswünschen und der Bitte, unbedingt wiederzukommen werden wir verabschiedet.

Dann sind wir wieder unterwegs. Der wunderbare Panoramaweg führt uns in 1200 Hm Abstieg über Basa hinunter zum Dud Koshi (1452 m). An der Hängebrücke pausieren wir und steigen dann nach Jumbing (1680 m) auf, dem Tagesziel. Im Abendlicht grüßen Kusum Kangou und Thamserku – wunderschön!

Am anderen Morgen steigen wir zum Kharikola-Pass (2070 m) auf. Wir besuchen das
Kloster, haben tolle Ausblicke auf die Eisriesen in der Ferne, steigen nach Kharikola (1800 m) ab und weiter nach Bupsa (2360 m) auf. Nach der Mittagspause sind wir erholt für den Aufstieg zum Khari La-Pass (2860 m). Von hier sehen wir nach kühler klarer Nacht am Morgen das Bergpanorama in der Sonne vor uns, auch der Cho Oyu grüßt wolkenfrei! Der Weg führt über 2945 m dann steil bergab nach Surke (2300 m). Nach der Pause geht es weiter nach Chaurikharka, wo wir rechtzeitig vor dem Regen die Lodge beziehen. Die Tage ohne Touristentrubel sind zu Ende.

Am nächsten Morgen sind wir nach Lukla unterwegs, von wo uns die Trekkerscharen entgegen kommen. Nachmittags regnet es wieder, aber der neue Morgen grüßt mit strahlender Sonne. Mit unseren in Phaplu verschmähten Gaben gehen wir zum „Pasang Lamu-Nicole Niquille-Hospital“. Der organisatorische Leiter empfängt
uns, zeigt die Klinik, erklärt das Konzept und ist sehr beglückt über Medikamente, Verbandsmaterial und Brillen.

Der Flug anderntags entlang der Himalaya-Bergkette nach Kathmandu könnte nicht schöner sein, dann hat uns die Großstadt wieder.

Noch zwei Treffen mit den Vertretern der Himalaya Natural Fibre Foundation können wir
organisieren. Wir lernen einiges über die Faserproduktion aus Nesseln und deren weitere
Verarbeitung mit dem Ziel, den Menschen Arbeit und Einkommen zu sichern.

Die Frage an uns ist, ob wir in den zwölf Dörfern ein Projekt nach dem Vorbild von Chyangmityang aufbauen können. Die Zusammenarbeit mit HNFF ist jedenfalls gut vorstellbar, ein Vorhaben dieser Größe will aber genau bedacht und geplant sein.
So begleiten uns Bilder, Eindrücke, Gedanken und Pläne dieser erfolgreichen Reise auch im deutschen Alltag weiter.


Von links: Ngima sherpa, Dr. Rainer & Anne Claußnitzer, Phuti Sherpa, Dr. Friedrich Feurer