Praktikumsbericht Ina Pfohl

Arbeiten auf dem  "Dach der Welt" Teil 1

Vor reichlich einem Jahr setzte ich mir in den Kopf mein Studienpraktikum im Ausland zu verbringen. Die dadurch entstehende Situation verlangte Antworten auf entscheidende Fragen wie: Wo wuerde ich gern hingehen und aus welchen Beweggruenden? Kann es mir in diesem Land gefallen und weshalb? Inwiefern kann ich im Zielland eine nuetzliche Taetigkeit ausueben? …etc.pp… Schliesslich gedachte ich als Studentin im Bereich Public Health ins aussereuropaeische  Ausland zu gehen, wo sicher einige sinnvolle Gesundheitsprojekte durchgefuehrt werden und so begab ich mich auf eine nervenaufreibende Suche. Nach etlichen Turbulenzen wog ich die Vor- und Nachteile der mir zur Verfuegung stehenden Projekte ab und landete schliesslich Ende Februar 2005 in Kathmandu, Nepal.

Hier arbeite ich nun fuer eine non- profit NGO, welche im Jahre 1996 gegruendet wurde. Ihr Hauptaugenmerk richtet sich auf die Erhaltung der Umwelt, Kultur und Identitaet in den hochgelegenen Mountain Regionen Nepals. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Mountain Regionen zu einem besseren Platz fuers taegliche Leben und Arbeiten zu machen sowie fuer Besucher attracktiver zu gestalten. Deshalb sind sie bestrebt, die Lebensqualitaet und das Empowerment der Bevoelkerung vor Ort zu verbessern und ihnen Moeglichkeiten in die Hand zu geben, eigene verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. In diesem Sinne setzt sich MS in Sektoren wie Management, Eco-Tourismus, Gesundheit u.v.a.m. fuer die lokalen Bevoelkerungsgruppen des Himalaya ein.

Um nun eine Vorstellung vom Leben in diesen Regionen, den Problemen und  Ansichten zu bekommen sowie ein erfolgreich laufendes Projekt zu sichten, fuhr ich mit dem Bus nach 'Melamchi'. Im Normalfall kann man das angestrebte Dorf 'Sermathang' wohl in gut 6-7 Stunden Trekking erreichen, doch die Sterne standen nicht gut fuer meinen Begleiter und mich.

Die unertraegliche Hitze (30 Celcius mitten im Winter), der unvermeidliche Durchfall in den ersten Wochen in Nepal (wenn die Innereien noch nicht wissen, was los ist) und das hinzukommende Erbrechen dieser Tage, schienen das immerwaehrende "climb up and never down" fast unmoeglich zu machen. Wirklich erinnern kann ich mich nicht, einzig der erste Anblick von schneebedeckten Gipfeln in der Ferne bleibt wohl unvergesslich. Nach 2 weiteren Tagen Ruhe und einem anschliessenden Besuch beim traditionellen Heiler, der die schlechten Energien aus meinem Koerper trieb, war ich wieder ich selbst und konnte mit meinen Nachforschungen beginnen.

Die Unterstuetzung von Mountain Spirit Deutschland hat es in Sermathang ermoeglicht ein Health Post aufzubauen und so die Situation der Bevoelkerung bezueglich der gesundheitlichen Versorgung erheblich zu verbessern. Bei zahlreichen Tibetan Teas (Tee mit Butter und Salz) erfuhr ich einiges ueber die zuvor herrschenden Umstaende, welche fuer uns Deutsche undenkbar scheinen. Einen Fussmarsch von mindestens 4 Stunden zurueckzulegen, wenn man medizinischer Hilfe bedarf, ist wohl als unzumutbarer Zustand zu bewerten, vor allem wenn man bedenkt, dass das Gelaende nicht gerade als Sonntagsspaziergang bezeichnet werden kann. So kommt es schon mal vor, dass der Patient unterwegs verstirbt oder jede Hilfe zu spaet kommt, obwohl er/sie sicher gesundet waere bei ausreichender medizinischer Versorgung vor Ort. So empfing ich von allen befragten Personen positve Resonanz ueber dieses nun bereits 4 Jahre dauernde Projekt. Die Bewohner setzen sich sehr fuer das Health Post ein und so kann das Projekt in naher Zukunft sicherlich auf eigenen Fuessen stehen. Die Grundbelange (Liegen, Tische, Stuehle, Pulsmesser, Waage, Stethoskop, Thermometer, Vorrat einiger wichtiger Medikamente etc.) sind gesichert und jeder Haushalt leistet einen regelmaessigen Opulus fuer den Kauf von Medikamenten und Erhalt des Hauses. Zusaetzlich zur schnelleren  medizinischen Grundversorgung wurde im Health Post ein Raum geschaffen fuer Seminare und Training, der es der Bevoelkerung ermoeglicht zusammenzukommen und ihr Wissen zu  erweitern. Ich stand dem zunaechst skeptisach gegenueber, hatte ich doch nun schon gelernt, dass Nepalis immerzu "busy" sind, auch wenn es fuer mich nicht ersichtlich ist. In diesem Punkt wurde ich jedoch eines besseren belehrt. Wie durch Zauberhand fuellte sich der Raum eines Tages mit so vielen Frauen, dass dieser zu bersten schien. Grund dafuer war ein Training ueber "Family Planning", welches denn auch umfassende Informationen zur Verhuetung und Stillverhalten, ueber Geschlechts-krankheiten sowie Krebs lieferte.

Ausgestattet mit ersten Informationen und Eindruecken vom Leben der Sherpas und ihrer Kultur, kehrte ich nach Kathmandu zurueck, um Vorbereitungen fuer eine Reise nach Solukhumbu zu treffen, wo MSN mit Unterstuezung von MSD derzeit ein aehnliches Projekt (Sub-Health Post) initiiert.

Fortsetzung folgt!

 

Praktikumsbericht von Ina Pfohl

Arbeiten auf dem "Dach der Welt"  Teil 2

In Nepal, wo ich derzeit mein Studienpraktikum, bei der non-profit NGO Mountain Spirit Nepal, absolviere, scheint die Zeit langsamer zu gehen als daheim und stabaziert so gelegentlich meine Nerven. Doch ich hoffe, dass dieses Problem bald der Vergangenheit angehoert. Vorerst freute ich mich auf meine Reise nach Mera im Solukhumbu District (welcher im Osten von Nepal liegt). In Mera will MSN mit Unterstuetzung von MSD ein Sub-Health Post aufbauen, um die gesundheitliche Grundversorgung der Bevoelkerung zu sichern. Derzeit muessen Meras Bewohner circa 2 Stunden laufen, um zum naechsten Health Post zu kommen oder aber mindestens 3,5 Stunden, um das Hostipal in Phaplu zu erreichen. Bei diesen Alternativen versucht man solange wie moeglich ohne medizinische Hilfe auszukommen. In letzterem Falle (sehr schlechter Gesundheitszustand) wird man sich wohl fuer das Hospital mit professioneller Hilfe entscheiden und auf den beschwerlichen Weg machen. Doch wie lang braucht man in schlechter gesundheitlicher Verfassung bzw. mit Traeger fuer diese Strecke, die durch eine steiles Auf und Ab gekennzeichnet ist ? Ich habe keine Ahnung - fest steht nur, dass in vielen akuten Faellen jede Hilfe zu spaet kommt und dieses Projekt schneller Unterstuetzung bedarf, um die Situation fuer die lokale Bevoelkerung von Mera zu verbessern.

Die Reise nach Mera per Flugzeug bis Phaplu und dann 3,5 Stunden zu Fuss stellte sich als nicht durchfuehrtbar heraus. Innerhalb einer Woche starteten wir 5 Versuche, um mit dem Flieger nach Phaplu zu gelangen, doch es war aussichtslos. Jeden Tag wurden aufs Neue alle Fluege zum Zielort auf Grund von dichter Wolkendecke oder zu viel Wind gekanzelt und so machten wir uns per Taxi und anschliessendem 3,5-taegigen Marsch auf den Weg. Dies kam uns in zweierlei Hinsicht teuer zu stehen. Erstens 'durften' wir Wegezoll an die Moaisten abgeben (meinen Unmut darueber konnte ich jedoch gleich darauf beim Aufstieg von 'Kinja' aus den Ohren qualmen lassen, denn 'Kinja' bedeutet soviel wie quasi senkrechter Anstieg) und zweitens mussten wir unsere Arbeit in Solu so schnell wie irgend moeglich erledigen.

In diesen wenigen Tagen fuehrte ich ein Health-Survey fuer MSN in Mera durch, um die derzeitige Situation richtig beurteilen zu koennen und Vorschlaege fuer spaetere Projekte im Rahmen des Health Post zu praesentieren. Ich stellte also jede Mengen Fragen bezueglich ihres Zusammenlebens (Anzahl der Kinder etc.), ihres Gesundheitszustandes, schaute mir ihren Wohnraum und das Umfeld an, sammelte Informationen ueber das verwendete Wasser, Abfallentsorgung, Sauberkeit im Haus und im Dorf, das Vorhandensein von Latrinen etc. pp.

Waehrend dieser Zeit versuchte ein anderer Mitarbeiter von MSN die Angelegenheiten bezueglich Groesse und Konstruktion des Gebaeudes, Land und Materialbeschaffung mit den Bewohnern und im lokalen Headquarter zu klaeren sowie finanzielle und materielle Unterstuetzung von in Phaplu ansaessigen Organisationen zu erlangen. (mit zufriedenstellendem Ergebnis!)

Unsere Rueckreise gestaltete sich nicht ganz so kompliziert und so trafen wir mit nur einem Tag Verzoegerung wieder in Kathmandu ein. Wenn das noch kein guter Grund zu feiern ist, so galt es doch das nepalesische Neujahr am folgenden Tag einzulaeuten. In diesem Sinne: "Happy New Year 2062!" Jahr 2005